Sonntag, 1. August 2010
 
   
 


Fotos:

Angelo Kaunat,

Katharina Gossow

 

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Die Essecke. Der Bezug der Küchen-Sitzbank ist von Etro und erinnert ein wenig an die Farbenfreude von Flugzeugsesseln aus den 70ern.




Molto Minotti. Sowohl das Couch-Ensemble (Sofa „Pollock“, Hockerwürfel „Villon“, Fauteuil „Suitcase“ mit Würfelablagen), als auch der Ziegenfell-Teppich „Kidassia“ sind von Minotti. Der Massivholztisch von Zoom.




Die Hausbar. Die in die Wand ­eingebettete Bar ist der Ort für den Absacker nach einer langen Nacht. Perfekt: Der Weg zum Bett ist von hier aus nur kurz




Raffiniert. In den Schrank-Wänden verschwindet nicht nur Alltägliches, sondern auch die gesamte Haustechnik




Spieglein an der Wand. Die Spiegelfliesen im Ziegelsteindesign sind handgeschliffen, die Badmöbel sind aus Corian und entworfen von Atelier Zeytinoglu




Skywalk. Die Wendeltreppe wurde nach Plänen der Architekten des Atelier Zeytinoglu geschmiedet. Sie führt zu einer weiteren Terrasse mit knapp 80 Quadratmetern Fläche, die aber noch nicht fertig gestellt ist

 

 

 

Text

Mutlu Aslan

 

Fotos

Angelo Kaunat,

Katharina Gossow


Genug ist nicht genug.

 

Ein Wiener Dachloft erstreckt sich nicht nur über 300 qm, sondern verfügt auch noch über 100 qm Terrasse. Nicht zu vergessen: ein Spa und die Bar

 

 



Die 300 Quadratmeter der ­Wohnung erstrecken sich nur über eine einzige Ebene


 

Es gibt Tage, da möchte man seine Wohnung gar nicht verlassen. Für den Hausherrn dieser Dachgeschosswohnung in Wien-Mariahilf müsste eigentlich jeder Tag solch ein Tag sein. Denn all die in diversen Zeitungsinseraten zu Unrecht herausposaunten Makler-Floskeln wie „Single-Traum“, „Sonnen-Hit“ oder „Panorama-Paradies“ treffen ganz genau auf diesen Dachausbau zu.

 

Ungewöhnlich ist zunächst einmal die Tatsache, dass sich die 300 Quadratmeter Wohnfläche über eine einzige Ebene erstrecken. So sollte es - zumindest aus der Sicht des Hausherrn, der anonym bleiben möchte - auch sein. Als Treppenfeind ätzt er: „Wenn ich mich sportlich betätigen will, gehe ich ins Fitness-Center.“ Schließlich musste er sich in seiner letzten Wohnung gleich auf drei Ebenen abmühen.

 

Neben dem umwerfenden Panoramablick war das durchgängig Ebenerdige einer der Hauptgründe, sich für die Wohnung zu entscheiden, was ihm anfangs nicht leicht gefallen ist: „Das Dach war bereits ausgebaut und unendlich hässlich, überall weißer Marmor mit goldenen Verzierungen und eben­solchen Wasserhähnen - furchtbar!“ Aber mit einem kreativen Architekten und dem nötigen Budget ließ sich das schon hinbiegen. 

 

 



Das King-Size-Doppelbett verfügt über einen integrierten Beamer mit versenkbarer Leinwand - wer da einschläft, ist selber schuld. Der Whirlpool kommt an allzu heißen Tagen als Schwimmbecken zum Einsatz




Spa: Das barocke Arrangement aus venezianischem Spiegel und vergoldetem Fauteuil ist mittig platziert, um dem Wellness-Bereich die Sterilität zu nehmen

 

Arkan Zeytinoglu war der richtige Mann dafür. Zunächst betätigte er sich als Abrissunternehmer. Soll heißen, dass letztlich der Ausbau eines rohen Dachstuhls wesentlich günstiger gewesen wäre! Die gröbste Umbauhürde, die baupolizeilich abgesegnet werden musste, war der Einschnitt ins Dach, womit nicht nur eine zirka 20 Quadratmeter große atriumartige Terrasse entstand, sondern auch noch der Aufstieg zu weiteren 80 Terrassenquadratmetern ermöglicht wurde. Ganz nach oben führt eine von Atelier Zeytinoglu entworfene schmiedeeiserne Wendel­treppe.

 

Nicht nur bei den Umbauarbeiten, auch beim Feintuning hat sich der Hausherr auf die Kreativität seiner Architekten verlassen. So wurde das Gäste-WC mit eigens entworfenen und handgefertigten Spiegel­fliesen im Ziegeldesign bis zur Decke verfliest. „Man fühlt sich wie im Kern eines Swarovski-Kristalls“, schwärmt der Hausherr.

 

Der Spa-Bereich der Dachwohnung macht gut ein Viertel der Wohnfläche, also 80 Quadratmeter, aus und beinhaltet neben dem Whirlpool, der auch als Schwimmbad zum Einsatz kommt, eine Sauna und ein Dampfbad. Wellness pur, auch fürs Auge! Denn für den gesamten Erholungsbereich wurde ein ausgeklügeltes LED-Beleuchtungssystem installiert. So lassen sich unendlich viele Farbschattierungen, besonders im Pastellbereich, via Fernbedienung mixen.



Das Planschbecken. Von der eingelassenen Wanne aus kann man beim Baden den Blick über die Stadt schweifen lassen

Bei den Einrichtungsstücken wurde dem Hausherrn die Auswahl leicht gemacht: „Ein guter Bekannter hat aus einer Vielzahl von Design-Katalogen eine Vorselektion getroffen. Ich habe mich lediglich entscheiden müssen“, so der Bewohner, der sich in erster Linie dem italienischen Design verschrieben hat. So kommen die gesamten Sitzgelegenheiten und ein Ziegenfell-­Teppich aus dem Hause Minotti. Kästen, Sideboards und Tische, also die „Hardware“, sind zur Gänze Tischler-Maßarbeiten.

 

Der Boden im Wohnbereich wurde komplett aus einem sehr schicken Wenge-Parkett gefertigt, dessen dunkler Braunton es dem Hausherrn angetan hat.

 

Womit wir bei der Heizung wären - die hier nicht

 konventionell funktioniert. Der Hausherr hat sich nämlich für eine Wandklimatisierung entschieden. Ein ebenso kostspieliges wie wirksames Klimasystem, bei dem sich durch die Wand Schläuche im Spiralmuster ziehen, die je nach Bedarf mit heißem oder kaltem Wasser gespeist werden. Im heißen JSommer stellte das Klimasystem seine Wirksamkeit unter Beweis: An keinem einzigen Hitzetag überschritt das Indoor-Thermometer die 25° C-Marke.

 

„Jetzt muss ich den Winter mal abwarten, um zu sehen, ob auch das Heizen tadellos funktioniert. Aber sehr viel wichtiger ist der kommende Sommer, denn da wird der Outdoor-Bereich gleich auf das Fünffache aufgestockt.“

 

Der Wermutstropfen dabei ist, dass sich damit auch eine neue Ebene einschleicht - weil sich die neu gewonnene Terrasse auf der obersten Dachfläche des Gebäudes befinden wird. Aber ein kleines bisschen Fitness soll ja auch nicht schaden.