Sonntag, 1. August 2010 |
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Fotos: Alexander Kröner
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Die Stahlrohrsessel hat die Bewohnerin in einem Second Hand Laden entdeckt. Sie schwärmt für die Möbel der 70er |
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Architekt Stefan Sterf inszenierte eine 150 Quadratmeter große Dachetage in Berlin-Mitte als lichtdurchflute- tes Sonnennest. Das Vinyl-Sofa „Supernoda“ ist von Archizoom |
Von unten sieht man nichts - ein typischer Altbau mit Hinterhof und Quergebäude. Geschmackvoll saniert, wie es sie überall gibt in Berlin im Quartier zwischen Reichstag und Friedrichstraße. Berlin ist eine ordentliche Stadt, zumindest architektonisch, und was nicht in das Korsett der klassischen Parzellenbebauung passt, ist dem Denkmalschutz erst einmal verdächtig. Daran kranken viele Dachausbauten, doch diesmal fanden die Ordnungshüter an den Entwürfen des Architekten nichts auszusetzen.
Akribisch hat Stefan Sterf die Vorgaben beachtet - und gleichzeitig ausgetrickst. Der Architekt hat schon eine Reihe von Dächern ausgebaut, die ihm sehr sinnlich geraten sind. Das heißt: weg vom rechten Winkel, hin zu fließenden Formen. Auf drei Ebenen entstand so ein außergewöhnliches Wohnkonzept, das sich harmonisch in die historische Umgebung einfügt und zeigt, was trotz enger Spielräume machbar ist. Hoch über dem Hinterhof laufen die geraden Konturen des Hauses in leichten, beschwingten Linien aus. Hier unterm Dach ist man dem Himmel ganz nah.
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Um die Wendeltreppe herum windet sich die geschwungene Hauptwand, hinter der sich auch die Galerie verbirgt |
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Nur Schlafzimmer und Bad sind in der offen geschnittenen Wohnung als privater Bereich von Wänden umgeben |
Gerade das war der Besitzerin besonders wichtig. Sie liebt die Weite und den unverstellten Blick zum Horizont,: „Wenn man den Himmel sehen kann, gibt es kein schlechtes Wetter. Die Lichtstimmung ist immer wieder anders, und ich liebe natürliches Licht“, sagt sie.
Davon hat sie hier genug. Das Dachgeschoss wird beherrscht durch das augenförmig angelegte Panoramafenster, das einen imponierenden Blick auf die Dachlandschaft des Regierungsbezirks freigibt.
Dieses Dachauge führt die Kurve der Hauptwand fort, die sich durch den Wohnbereich zieht. Die verkleidete Wendeltreppe schraubt sich zur Galerie empor und verbindet so die beiden Ebenen. Durch ihren Objektcharakter konzentriert die Treppe die Bewegungen auf den Wohnbereich. Transparenz und Leichtigkeit der Konstruktion schaffen einen Raum, der gleichzeitig klar und verspielt wirkt.
Verliebt hatte sich die heutige Besitzerin auf Anhieb in die Etage. Doch es sollten drei Jahre vergehen, bevor sie sich entschied, von Kopenhagen nach Berlin zu ziehen. Glück für sie und für den Architekten, dass das Wohnkonzept vielen Interessenten zu ausgefallen war. Für beide erwies sich der Ausbau als kreative Partnerschaft.
„Da ich beruflich oft monatelang unterwegs bin, konnten wir uns nur per E-Mail austauschen“, erzählt sie. „Für mich war es jedes Mal eine Überraschung, wenn ich nach Berlin kam und alles tatsächlich so aussah, wie ich es mir gewünscht hatte.“
Für Details, Verarbeitung und edle Materialien kann sich die Hausherrin begeistern. Lange dachte sie über den Boden nach. Schließlich ließ sie die komplette Etage mit italienischem Travertin auslegen, eine Herausforderung von 4,5 Tonnen Gewicht für die Statik des Altbaus.
Der warme Sandton und die lebendige Maserung des Natursteins brechen das Weiß der Wände und geben dem Raum einen sonnigen Schimmer. Auch durch elektrisch verstellbare Markisen lässt sich der Lichteinfall regulieren.
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Die südlich gelegene Schräge wurde komplett mit Dachfenstern versehen. Der durchgehende Boden aus Travertin verbindet die verschiedenen Wohnzonen |
Farben sucht man in der Einrichtung vergebens, nur auf den Bildern befreundeter Künstler erlaubt die Dame des Hauses ein leuchtendes Blau oder Orange. Zum Wohnen bevorzugt sie die Nichtfarben Weiß, Beige und Schwarz.
„Für bunte Farben bin ich zu stimmungsabhängig“, sagt sie. „Wenn ich in einem roten Zimmer aufwachen würde, bekäme ich schon morgens Aggressionen.“
Vor diesem Hintergrund kombiniert sie zwanglos Möbel unterschiedlichster Herkunft und Epochen. Das zweiteilige lackschwarze Sofa von Archizoom ist ein Highlight des Pop-Art-Designs und lässt sich mit wenigen Handgriffen in ein Gästebett verwandeln. Die Metallstühle sind ebenfalls Vintage und stammen aus den Siebzigerjahren. Kaaris hat sie in einem Second-Hand-Laden entdeckt.
Die wohl ungewöhnlichsten Stücke sind ein Day-Bed und ein Pouf, die mit Seehundfell bezogen sind, für die Bewohnerin eine Reminiszenz an ihre skandinavische Herkunft.
Eine Abgrenzung zwischen den unterschiedlichen Wohnzonen gibt es nicht. „Unzeitgemäß“ findet das die Bewohnerin: „Die meisten Gäste sitzen ohnehin in der Küche oder helfen beim Kochen.“ Die Küche ist eine offene Zeile und liegt direkt gegenüber des Wohnbereiches. Die Materialien: Edelstahl und schwarzer Granit. Der Weinkühlschrank und die Eiswürfelmaschine gehören für die begeisterte Köchin unbedingt zum Equipment.
Der gläserne Esstisch mit Plexi-Stühlen von Kartell findet in einer Nische gleich neben dem Herd Platz. In ihrer Transparenz unterstützen auch diese Möbel das Raumgefühl und lassen sich mit Accessoires schnell verändern. Halb überdacht und als dritte Ebene abgesenkt, erweitert die Dachterrasse in den Sommermonaten den Wohnraum. Auch hier kann man bei einem Sonnenbad den fantastischen Blick über die Dächer genießen.
Separiert vom Wohnraum sind nur der begehbare Kleiderschrank, das Bad und der Schlafbereich. Da sie gern und lange badet, wurde das Bad als privaten Wellness-
Tempel mit stimmungsvoller Lichtinstallation und einer im steinernen Podest versenkten Wanne inszeniert. Durch ein Fenster in der Dachschräge fällt das Licht direkt auf die Wanne, der ideale Rückzugsort, um sich an kalten Tagen zu entspannen.
Die Nacht verbringt die Bewohnerin auf der Empore. Hier rücken die Wände näher, zum Schlafen mag sie es gemütlich. Direkt unter dem Giebel findet nur ein Bett Platz, die Schrägen reichen fast bis zum Boden. Auch hier ist Tageslicht das wichtigste Designelement.
Text Martin Schacht Fotos Alexander Kröner