Sonntag, 1. August 2010 |
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in Graz
Die Außenwände der „Villa H“ bestehen zu 80 Prozent aus Glas, die Tragkonstruktion aus Beton, Boden und Rückwand aus grobem Sandstein.
LOVE architecture and urbanism ziviltechniker Ges.m.b.H.
Hans-Sachs-Gasse 8/2
A-8010 Graz
Tel.: +43 316 810106
Fax: +43 316 810106-20
www.love-home.com
Baubeginn: Februar 2004
Fertigstellung: Juli 2005
Größe: Nettonutzfläche 375 qm
Mitarbeit: Thomas Pucher (Projektleitung), Gerald Brencic, Wilhelm Eder, Erich Ranegger
Es ist schon merkwürdig. Einerseits ist man immer gerne mittendrin im Geschehen. Andererseits genügt meist ein klein wenig Distanz, um etwas in all seinen Facetten zu erfassen und noch subtiler zu erleben. Das gilt sogar oder gerade für Häuser.
Was kompliziert klingt, lässt sich leicht an einer architektonischen Meisterleistung in der Steiermark erklären. Da scheint schwerelos die so genannte „Villa H“ zu schweben. Inmitten der grünen steirischen Hügellandschaft rund um St. Veit breitet das Haus seinen flügelähnlichen (Wohn-)Rahmen aus.
„Es ist ein sehr steiler Hang mit extremer Weitsicht. Von dort schaut man über Berge und Täler - bis nach Graz“, erklärt Mark Jenewein vom steirischen Architektenteam „Love“, das das außergewöhnliche Wohnhaus entworfen hat.
Der Name „Love“ sei aus einer Laune heraus entstanden, so das Team aus Graz unisono. Aber er beschreibe haargenau die Haltung zur Arbeit, nämlich das, was man tue, und dass man das sehr gern tue. Dass dem so ist, hat sich mittlerweile bis nach China herumgesprochen. Immerhin ist „Love“ mit dem Bauprojekt „Villa H“ bei der vom österreichischen Star-Architekten Hans Hollein initiierten „Sculptural Architecture“-Schau in Peking mit dabei.
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Das flügelähnliche Wohnhaus ist kompakt, aber nicht klotzig. |
Doch zurück zur „Villa H“, „einer schwebenden Aussichtsplattform“ laut Jenewein. „Sie ist unser Statement zu einer Hanglage. Man kann natürlich das Naturerlebnis ebenerdig inszenieren. Oder aber ich distanziere mich absichtlich vom Boden“, erläutert der gebürtige Stuttgarter, der von Anfang an, seit 1998, bei „Love“ mitwerkt. „Das Raumgefühl ist gleich ganz anders“, meint der 39-Jährige, der bei den steirischen „Love“-Architekten fürs Marketing zuständig ist.
Tatsächlich bleibt bei den Außenwänden, die zu 80 Prozent aus Glas bestehen, auch das allerkleinste Naturschauspiel den Bewohnern nicht verborgen. Ob ein Hase quer über die Wiese hoppelt, der Wind an den Blättern zerrt oder einfach die Sonne tagtäglich ihren Weg von Osten Richtung Westen nimmt - die Hausbesitzer erleben alles wie auf einem luxuriösen Hochstand hautnah mit.
Die Südseite eröffnet durch die über beide Flügel gezogene Glasfassade einen atemberaubenden, zentralen Blick auf Graz. Im südöstlich ausgerichteten Wohnflügel ragt der abgerundete, komplett aus Glas bestehende Wohnbereich in die Landschaft hinein.
Begibt man sich in den entgegengesetzten Flügel, so sorgt der Ausblick vom Bad und dem angrenzenden Schlafzimmer auf die grünen Hügel rund um St. Veit für ein tiefes Wohlgefühl und sanfte Geborgenheit. Ein eigens auf der Plattform neben Bad und Schlafzimmer angelegter Schlafgarten mit frischen Kräutern und blühenden Pflanzen ist ein hübsches kleines Extra.
Auch die lange, um die Vorderseite des Hauses führende Terrasse mit ihrem offenen Aluminium-Stangen-Geländer versperrt nichts vom einzigartigen, unverfälschten Ausblick. Im Gegenteil: Sie krönt die Idee, das Innen und Außen aufzulösen. „Die Räume in die Umgebung hinein auszudehnen und ihnen so eine Vielzahl an verschiedenen Qualitäten zu geben, war bei diesem Projekt ein wichtiger Aspekt“, meint Jenewein.
Doch damit nicht genug: Auch das Oben und Unten erfährt bei der „Villa H“ eine neue Bedeutung. Vom Schlafgarten etwa führt eine kleine Wendeltreppe direkt in den richtigen Garten. Auch auf der Rückseite des Hauses gelangt man über eine kleine Treppe von oben nach unten und umgekehrt. Genauso beim Eingang. Dasselbe Spiel mit verschiedenen Ebenen, die leicht überwunden werden, setzt sich im Inneren des Hauses auf 370 Quadratmetern Wohnfläche fort.
Im Sockel des Gebäudes liegen Kinder- und Gästezimmer sowie ein Weinkeller. Vorbei am Carport und einem kleinen Wintergarten, stößt man auf einen beigefarbenen Sandstein-Quader mit einem großen Fenster zur Landschaft hin: die Sauna. In ihr schwitzt man sich den letzten klitzekleinen Rest an Anspannung und Stress weg.
Wenn die „Love“-Architekten meinen, „ ,Villa H ist eine kompakte Idee, die leicht und nicht wie ein schwerer Klotz in der Landschaft wirkt“, so ist dem nichts mehr hinzuzufügen. Außer, dass das Team seinem Credo treu geblieben ist. Nämlich „Architektur zu schaffen, die in 30 Jahren noch aufregend ist“.
Text Michaela Werthmüller Fotos Rupert Steiner