Dienstag, 9. Februar 2010 |
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LILLI HOLLEIN
Neigungsgruppe Design, Organisatorin der Vienna Design Week seit 2007.
Die Neigungsgruppe Design will begeistern und ermöglichen. Dazu gehört, dass wir hoffen, den involvierten Designerinnen und Designern ein Sprungbrett zu verschaffen, das ihre Arbeiten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt macht. Maxim Velčovský, der 2008 eine wundervolle Installation bei den Passionswegen gemacht hat, ist zunehmend präsent. Andere Designerinnen und Designer, die 2007 und 2008 in das Festival involviert waren, wie Marco Dessí, Dottings (Sofia Podreka und Katrin Radanitsch), Robert Rüf oder Danklhampel (Kathrina Dankl und Lisa Elena Hampel), werden hoffentlich ihren erfolgreichen Weg weitergehen. Ich hoffe trotzdem auf die Vorherrschaft der Themen, denn es gibt unter den derzeitigen Umständen einiges zu tun, wo die Denkarbeit der Designschaffenden über formale Entscheidungen weit hinausgehen muss. Und wenn’s ein Name sein soll: Ich hoffe für 2010 auf die Wiedergeburt von Morris Lapidus. Dass sich Österreich übrigens wohl kaum jemand in wilden Träumen als brodelnd heißen Designstandort vorstellt, ist eine ideale Voraussetzung, alle positiv zu überraschen. Und wenn auch vielleicht nicht ganz Österreich das Zeug zur Design-Destination hat: Wien kann sich dem internationalen Vergleich erhobenen Hauptes stellen. Erstens gibt es eine Vielzahl an Designerinnen und Designern, die im internationalen Designzirkus mitmischen. Zweitens lenkt uns das Fehlen großer Industriestandorte in eine andere, zukunftsträchtige Richtung: die manufakturielle und handwerkliche Fertigung, die Bewahrung und Weiterentwicklung alter Techniken und nicht zuletzt Design als geistige, als interdisziplinäre Forschungsdisziplin, die mit anderen Wissenschaften gemeinsam an unserer Zukunft arbeitet.
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TULGA BEYERLE
Neigungsgruppe Design, Organisatorin der Vienna Design Week seit 2007
Für mich ist eine der spannendsten Sachen an der Vienna Design Week, in einem Jahr junge Designer und Designerinnen zu den Passionswegen einzuladen und in den kommenden Jahren ihren Erfolgsweg zu beobachten. Wie etwa Marco Dessí, dessen Projekt mit Augarten 2008 die Entwicklung eines ganzen Services zur Folge hatte (Foto). Außerdem präsentierte er im Frühjahr 2009 den „Praterchair“ mit Lampert und wurde heuer von designblok nach Prag eingeladen. Oder Maxim Velčovský, den man inzwischen fast auf jedem Festival in Europa trifft, mit immer neuen spannenden Arbeiten im Gepäck. Max Lamb, einer unserer heurigen Gäste, ist ein ähnlich unangepasster Designer, der demnächst die Spalten der Hochglanzmagazine füllen wird. Gemeinsam ist ihnen allen eine starke Persönlichkeit, eine unorthodoxe und unkorrumpierbare Arbeitsweise und eine unverwechselbare Handschrift. Das sind die Dinge, nach denen wir uns sehnen, nachdem wir genug der glatten, perfekten, durchgestylten Objekte gekauft haben, von denen man sich allzu leicht trennt, während die Müllberge wachsen. Ansonsten wird Wien in der Designwelt noch immer übersehen, daher kann man alle damit überraschen, dass es doch nicht so langweilig, steif und historisch ist. Sondern eigentlich sehr lebendig und dicht. Schon mal mit München oder Düsseldorf verglichen? Und auch wenn alle von Berlin schwärmen, Wien ist wenigstens klein genug, dass man zwar heiße Sohlen auf der Vienna Design Week bekommt, aber noch jeden Weg durch die Stadt gut zu Fuß oder mit dem Rad bewältigen kann.
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THOMAS GEISLER
Neigungsgruppe Design, Organisator der Vienna Design Week seit 2007
Die Vienna Design Week hat sich 2009 noch mal intensiv dem Thema Handwerk gewidmet – wie viel Handwerk verträgt Design und umgekehrt und was tun wir, damit der schöne Begriff Kunsthandwerk wieder mehr Anerkennung bekommt? Dieser thematische Fokus ist ja eigentlich ein Dauerbrenner unserer Passionswege-Projekte seit 2006. Dass gerade jetzt die ganze Designszene rund um den Globus auf „craft“ abfährt, bleibt hoffentlich kein Trend resultierend aus Wirtschaftskrise und Protestbewegung. Eine stärkere Selbstbestimmung der DesignerInnen und der KonsumentInnen sowie die Unabhängigkeit von der industriellen Fertigung werden uns weiter beschäftigen und in spannenden Projekten begegnen. Die Zeit ist reif für Alternativen. Und diese zeigen uns ein paar Etablierte auf, wie Max Lamb, Michael Young oder Studio Makkink & Bey, die wir dieses Jahr dabeihaben, oder neue Namen wie mischer’traxler, Marei Wollersberger oder -breadedEscalope, auf die wir hinweisen wollen. Das Gute an zeitgenössischem österreichischen Design ist, dass es weithin noch nicht so bekannt ist – zumindest aber noch neugierig macht. Das merken wir an den zahlreichen Anfragen im Vorfeld und während des Festivals von den ausländischen JournalistInnen. Die sind ganz heiß darauf, die NachfolgerInnen von Loos, Hoffmann & Co. kennenzu-lernen. Wenn wir die Spielorte wie Wien Museum oder einige der Vintage-Galerien abklappern, zeigen wir ihnen, dass es auch Design in und aus Österreich nach der Wiener Werkstätte gab, wie Haerdtl, Auböck oder Rainer. Und das „junge Gemüse“ servieren wir heuer am Vorgartenmarkt zum Vienna Design Week Debüt. Uns geht es nicht nur darum, die Gegenwart abzufeiern, sondern auch so etwas wie Kontinuität aufzuzeigen.
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MYRA WALTL
Projektmanagement Vienna Design Week seit 2008
Das Spannende an der Vienna Design Week ist ja, dass man bis zum letzten Moment nicht weiß, wie das Festival aussehen wird – viele Projekte entstehen in letzter Minute. Die Neigungsgruppe Design sorgt mit einer Fülle an Ideen dafür, dass die Vorbereitungszeit für mich immer spannend bleibt. Mich begeistert auch das Gefühl, dass mir die Stadt neu erschlossen wird und ich sie so Jahr für Jahr besser kennenlerne. Diese Urbanität, die Fokussierung auf das Leben in einer Stadt wie Wien, macht für mich einen wesentlichen Bestandteil der -Vienna Design Week aus. Am Ende die Resultate zu sehen und zu wissen, dass man als Teil eines relativ kleinen Teams an der Realisierung teilhatte, ist eine tolle Belohnung und macht stolz. Die Eröffnungsveranstaltung, vor allem die Installation auf dem Vorplatz des Liechtenstein Museums, ist für mich auch heuer wieder wahnsinnig spannend. Die Arbeit im letzten Jahr von Kram/Weisshaar hat mich begeistert und ich freue mich schon zu sehen, wie sich die diesjährige Arbeit von Arik Levy für Swarovski Crystal Palace auf dem Vorplatz machen wird. Der Gegensatz des barocken Gebäudes zu den Projekten ist genial. Die vielen Lichter und Menschen, der traumhafte Rahmen der Eröffnungsveranstaltung, geben mir das Gefühl, ein Kind im Spielzeugladen zu sein. Die Parallelveranstaltung bei Sotheby’s Wien bietet einen sehr gemütlichen Rahmen, um sich mit dem zweiten Projekt von Arik Levy näher auseinander-zusetzen.
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TINA THIEL
Redaktion der Vienna Design Week seit 2007
Design ist einfach ein spannendes und relevantes Thema. Und es geht ja dabei nicht bloß um „schöne Dinge“, sondern darum, wie wir unsere materielle Kultur gestalten, d. h. auch: Wie nachhaltig? Wie demokratisch? Mittels welcher Geschmackskulturen und Produktionstechniken? Da wird das Thema Design plötzlich ganz soziologisch – und beginnt, mich am meisten zu interessieren. Ich war von Anfang an bei der Vienna Design Week mit an Bord, und jetzt ist es toll zu sehen, wie das Festival wächst und gedeiht und seine Eigendynamik entwickelt: Heuer im dritten Jahr ist das Programm mit über 80 Veranstaltungen bereits riesig. Und wir im Team sind auch mit dem Festival „gewachsen“ und in unseren Aufgaben sicherer geworden. Mein „Hilfsmittel“ während dieser Zeit ist mein braver, schon etwas älterer PC-Laptop. Um die wertvollen Daten zu sichern, benutze ich aber nicht etwa irgendeine externe Festplatte, nein – ich nehme dafür eine externe Designer-Festplatte! Das schlanke Ding wurde von Sam Hecht gestaltet und hat sogar den Red dot design Award gekriegt. Eines meiner absoluten Highlights des Festivals war übrigens Maxim Velčovskýs „City Shades“ im Rahmen der Passionswege 2008. Oder fragen wir mal anders herum: Wen haben die eigentlich nicht bezaubert? All-Time-Favourites werden aber von mir keine gekürt, denn das ist ja schließlich nicht die letzte Vienna Design Week.
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BIRGIT GRABNER
Grafikerin der Vienna Design Week seit 2007
Ein Festival wie die Vienna Design Week sichtbar machen – dieser Prozess beginnt quasi schon am Ende der Festivalwoche für das nächste Jahr. Es ist eine großartige, spannende Herausforderung, an die Grafik für jede einzelne Drucksorte heranzugehen. Am liebsten würde ich die Stadt mit Vienna-Design-Week-Postern zukleben – zum einen, weil dann das Thema Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit abgehakt wäre, und zum anderen, weil das viele Türkis und Rot auch am wolkigsten, staubigsten Tag das Stadtbild aufhellen würde. Natürlich ist es das Wichtigste, dass durch eine einzigartige Optik das Festival ins Auge sticht. Die letzten zwei Jahre vor allem durch außergewöhnliche Farbkombinationen. Am Festival selbst mag ich besonders die Passionswege. Es ist ein so schönes und spannendes Zusammenspiel zwischen Tradition und Design. Man merkt, dass die DesignerInnen und UnternehmerInnen in intensiver Zusammenarbeit ein einzigartiges Produkt entwickelt haben. Außerdem entdeckt man neue Läden und Orte der Stadt, die man sonst nicht aufsuchen würde. Ich hätte mich sonst nie in diverse schicke Juwelierläden getraut! Die Passionswege brachten mich auch zu Lobmeyr. Das viele Funkeln und Glitzern hat mich fast umgehauen.
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TALIA RADFORD
Designerin, Koordination der Passionswege bei der Vienna Design Week 2009
Zurzeit orientiert man sich wieder sehr an traditionellen Werten. Die Wirtschaftskrise hat etwas wachgerüttelt – und alle suchen in den Konsumgütern nach Transparenz. Viele Desig-nerInnen wollen heute in erster Linie Werte vermitteln. Traditionelle Handarbeit und Qualitätsmaterialien überspringen quasi die industrielle Revolution und werden neu interpretiert. Der Blick der Konsumenten soll sich wieder auf die lokale Qualität und das lokale Angebot richten und diese bewusst unterstützen. Die Krise markiert also einen Zeitpunkt des neuen, intelligenteren Umgangs in Sachen Konsum und auch Design. Ein wichtiges Projekt der Vienna Design Week sind deshalb die Passionswege: Man begleitet zehn Kreative, die jeweils einen ganz unterschiedlichen Zugang zu Design haben, und betreut den Prozess ihrer Kooperation und Auseinandersetzung mit traditionellen Wiener Unternehmen. Dadurch bekommt man das in dieser Stadt noch sehr lebendige Handwerk aus erster Hand mit. Besonders spannend sind die Einblicke in die Werkstätten, die einem normalerweise nicht zugänglich sind. Was Österreich im internationalen Vergleich als Designstandort auszeichnet? Mir fällt dazu der Kommentar eines Passionswege-Teilnehmers ein: Österreich ist im Vergleich zu anderen europäischen Designstandorten noch nicht „durchdesignt“. Hierzulande fängt der internationale „buzz“ gerade erst an, deshalb kann man hier in der Design-szene etwas bewegen. Die Arbeitserfahrungen haben sich in den letzten Jahren durch die Digitalisierung drastisch verändert, die jedem erlaubt, am Lieblingsort kreativ zu arbeiten. Anders gesagt: Unsere österreichischen Kreativen bleiben daheim anstatt nach Mailand, London, Amsterdam oder Barcelona zu pilgern. Österreich ist erst noch dabei, sich seine Design-identität aufzubauen.
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FRANZISKA GERNER
PR-Beraterin (Juicy Pool Communication) der Vienna Design Week seit 2007
Was für mich den Reiz der Vienna Design Week ausmacht? Die positive Energie im gesamten Projektteam tut gut. Alle ziehen an einem Strang. Optimierungen der Zusammenarbeit werden zumeist gemeinschaftlich im Team besprochen und umgesetzt. Flache Hierarchien führen dazu, dass man aktiv auf die Planung und Gestaltung des Festivals Einfluss nehmen kann. Das spornt häufig zu neuen Ideen und Höchstleis-tungen an. Was ich immer wieder überraschend finde? Das Programm wird zunehmend facettenreicher, obwohl man jedes Jahr denkt: Was kann jetzt noch kommen? Meine bisher prägendste Veranstaltung war übrigens die Präsentation der WienWein-Winzer 2008. Die biegsamen Gläser von Polka für J. & L. Lobmeyr, in denen der Wein ausgeschenkt wurde, faszinierten mich einfach. 2009 freue ich mich besonders über das Vienna Design Week Labor, weil mich die Wirkungsweise von grafischer Gestaltung interessiert, denn „Typografie hat im Wesentlichen ein praktisches und nur zufällig ein ästhetisches Ziel“ (Stanley Morrison).