Samstag, 19. September 2026
 
   
 


September 26

 

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LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER!

 

Willkommen in der „Neuen Relevanz“-H.O.M.E.

 

Unser Titel klingt zunächst nach Widerspruch. Denn relevant war doch immer, was Bedeutung hatte, oder etwa nicht? Früher erzeugte Relevanz Aufmerksamkeit. Was wichtig war, wurde gelesen, betrachtet, diskutiert. Bedeutung war der Grund, warum etwas sichtbar wurde. Heute scheint sich dieses Verhältnis umgekehrt zu haben: Aufmerksamkeit erzeugt Relevanz. Was gesehen wird, gilt als bedeutsam. Was oft erscheint, wird wichtig, selbst wenn es sich bei näherer Betrachtung als erstaunlich belanglos erweist. H.O.M.E. begibt sich wie immer auf die Suche nach Substanz. Nach Entwürfen, Räumen und Persönlichkeiten, die nicht durch Sichtbarkeit Geltung erhalten, sondern durch das, was sie zu erzählen haben.
Mit Piero Lissoni sprechen wir über die stille Kraft zeitloser Gestaltung und darüber, warum gutes Design nicht jedem Wandel folgen muss. Jil Sander zeigt, wie sich Klassiker der Zwanzigerjahre mit Understatement, Präzision und Feingefühl in die Gegenwart übersetzen lassen. Unser H.O.M.E.-Dossier untersucht, warum manche Objekte zu Ikonen und damit unsterblich werden, während andere verschwinden, kaum dass sie entstanden sind. Die H.O.M.E.-Storys führen uns nach Neapel, wo das Dachgeschoss eines Palazzo zu einem lichtdurchfluteten Refugium wurde, und nach Mailand – in ein Apartment, dessen Räume wie filmische Sequenzen komponiert sind. In Österreich feiert die Vienna Design Week ein bedeutendes Jubiläum und zeigt, wie eng Design mit Kultur, Handwerk und Geschichte verbunden ist. Wien besitzt die charmante Fähigkeit, aus seiner Vergangenheit zu schöpfen, ohne darin stehen zu bleiben.
Wir gratulieren außerdem dem Architekten Tadao Ando zum 85. Geburtstag und besuchen die Fondazione Dries Van Noten in einem venezianischen Palazzo. Ein Ort, an dem Geschichte nicht bewahrt, sondern fortgeschrieben wird. Die „Neue Relevanz“ entscheidet sich also nicht im Moment der größten Aufmerksamkeit, sondern danach: wenn der Glanz des Neuen verblasst ist und unverblendet erkennbar wird, was wirklich Wert besitzt.

Viel Vergnügen!



 

 

Nina Prehofer
DEPUTY EDITORIAL DIRECTOR