Donnerstag, 9. September 2010 |
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SCHWER ZU STOPPEN. Für das Foto blieb Wolf D. Prix zum Glück kurz stehen – sonst wäre er uns aus dem Bild gelaufen. Ansonsten ist er lieber in Bewegung, egal, ob zu Fuß, mit dem Auto oder in der Architektur. Denn das Wichtigste im Leben ist für ihn der Fortschritt |
Beim Supermarkt an der Kasse: Plastiktüte oder Papier?
Ich finde die aus Plastik eindeutig schöner. Die Papiertaschen sind mir zu farblos und zu grau.
Läuft beim Zähneputzen das Wasser weiter oder wird es abgedreht?
Ich habe eine automatische Zahnbürste. Das Wasser wird abgedreht.
Werden im Büro Coop Himmelb(l)au die E-Mails ausgedruckt oder bleibt das Office digital?
Jede E-Mail wird ausgedruckt. Ich lese keine Mails am Bildschirm, denn erstens ist mir das zu umständlich und zweitens vergesse ich den Inhalt sofort wieder. Es gibt eine Studie, die besagt, dass digitale Informationen nur das Kurzzeit-Gedächtnis bedienen. Ganz gleich, ob es sich dabei um E-Mails, Zeitungen, Bücher oder Digitalfotos handelt. Analoge Medien und analoge Fotografie hingegen bedienen das Langzeitgedächtnis.
Würden Sie sich als einen ökologisch und nachhaltig lebenden Menschen bezeichnen?
Ich kann mit dem Begriff Nachhaltigkeit nichts anfangen. Ich kenne ihn aus dem Forstbetrieb, wo man Waldflächen nachhaltig bewirtschaftet – oder auch nicht. Da ich jedoch weder ein Förster noch ein Landwirt bin, habe ich damit nichts am Hut.
Welchen Begriff würden Sie stattdessen vorschlagen?
Ich habe keine Ahnung. Für mich ist jedenfalls klar, dass Nachhaltigkeit eine unglückliche Formulierung ist. Nach, das klingt nach zu spät. Und Haltigkeit hat etwas mit Halten und Zurückhalten zu tun. Das sind nicht gerade positive Assoziationen. Ein sinnvoller Begriff muss erst gefunden werden. Vielleicht sollte man einfach intelligentes Bauen dazu sagen? Auf jeden Fall brauchen wir eine neue Ästhetik.
Komplettes Interview: H.O.M.E. Juni 2010
STECKBRIEF
Wolf D. Prix – geboren 1942 in Wien, Architekturstudium an der TU Wien, der Architectural Association in London und am Southern California Institute of Architecture in Los Angeles
1968 Gründung des gemeinsamen Büros Coop Himmelb(l)au mit Helmut Swiczinsky
seit 1988 Niederlassung in Los Angeles
seit 1993 Professor an der Universität für Angewandte Kunst in Wien
seit 2003 Leiter der Architekturfakultät an der Universität für Angewandte Kunst in Wien
seit 2000 Niederlassung in Guadalajara, Mexiko
Projekte (Auswahl)
1988 Dachaufbau Falkestraße, Wien
1994 Museumspavillon in Groningen
1998 UFA-Kinokomplex in Dresden
1998 SEG-Apartmentturm in Wien
2000 SEG-Block Remise, Wien
2001 Gasometer B und Schild, Wien
2005 Bürohaus Schlachthausgasse, Wien
2007 Akron Art Museum, Ohio
2008 High School of visual and performing arts in Los Angeles
2010 Pavillon Mini Opera Space, München
2011 Energiedach, Perugia
2011 Europäische Zentralbank in Frankfurt
2011 Martin-Luther-Kirche, Hainburg
2011 Dalian International Conference Center
2012 Busan Cinema Complex, Südkorea
2012 House of Music, Aalborg
2012 Strongoli Museum, Italien
2013 Mocape, Museum of Contemporary Art, Shenzhen
2014 Musée des Confluences, Lyon
Er baut Dächer mit Windturbinen, wehrt sich gegen das Wort Nachhaltigkeit und glaubt an die Chance in der Krise: Wolf D. Prix vom Architekturbüro Coop Himmelb(l)au.
Im Gespräch mit H.O.M.E. erzählt er, was das Ökologische an seinem Porsche ist.
Text
WOJCIECH CZAJA
Fotos
MANFRED KLIMEK (Porträts), HELÈNE BINET, ISOCHROM.COM, COOP HIMMELB(L)AU
Komplette Story: H.O.M.E. Juni 2010