Sonntag, 1. August 2010 |
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Fotos: Jack Coble Bilder mit Klick vergrößern
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Der leichten, transparenten Architektur ist nicht anzusehen, dass sie 353 qm Wohnfläche bietet |
Beim Sagaponac-Haus mit der Nummer 4 spielte Ban allerdings nicht mit Papier, sondern mit einer seiner anderen architektonischen Leidenschaften: der Modul-Bauweise. Er verleiht damit dem guten alten Einbauschrank eine ganz neue Bedeutung - und Gott sei Dank auch Optik. Denn Möbel wie Schränke oder Regale werden nicht nur von der ersten Skizze an mit eingeplant, sondern gleich direkt mitgebaut, dienen sie doch nicht einfach nur ihrem eigentlichen Zweck, sondern auch gleich als tragende Wände, um die herum das ganze restliche Haus gebaut wurde.
Man könnte das Ganze natürlich auch aus der umkehrten Perspektive betrachten - nämlich dass die Wände gleichzeitig als Stauraum, Schrank und Regal dienen, aber diese Grundsatz-Diskussion würde jetzt zu weit (und auch zu keinem Ergebnis) führen. Wie dem auch sei - es ist nicht nur eine optisch gelungene Lösung, sondern auch eine äußerst praktische, verbergen sich doch auch gleich so unschöne Dinge wie Klimaanlagen, Heizung, Lüftung oder Lichttechnik elegant in den Wandmöbeln und lassen zudem noch genug Raum für alles andere, was man gerne verstauen möchte.
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Ban-brechend. In allen Räumen dienen Schränke und Regale als Wände. Die Sitzmöbel kommen von Design within Reach |
Beim Grundriss des 353 Quadratmeter großen Hauses ließen sich Ban und sein Partner Maltz von der geometrischen Aufteilung des nie gebauten Brick Country House von Mies van der Rohe inspirieren. Eine von Nord nach Süd verlaufende Schrank-Wand dient der generellen Trennung von öffentlichen und privaten Räumen, eine Ost-West-Wand sorgt für eine weitere Unterteilung der Bereiche, wie zum Beispiel in Küche/Essraum und Wohnzimmer.
Doch damit nicht genug. Die Schrank-Wände wurden auch gleich nach außen verlängert, selbstverständlich mit einer Spezialbeschichtung versehen, um Wind und Wetter standzuhalten. Das hat einerseits den grandiosen Effekt, dass Garten und Pool wie zum eigentlichen Wohnraum gehörend wirken, und andererseits schafft es zusätzliche Privatsphäre, sind die Außenwände des Hauses doch komplett aus Glas.
Bereits 1983 begann Ban erstmals mit dieser Bauweise zu experimentieren. Er folgte damit dem Prinzip der frühen Modernisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Standardisierung und Kostenkontrolle zur Herstellung von High-End-Produkten (wie man heute so schön sagt) einsetzten. Die Wände - oder Möbel - werden in Modular-Bauweise in einer Fabrik gefertigt und fix und fertig zur Baustelle geliefert. Vor Ort werden dann nicht mehr als zwei Leute benötigt, um diese aufzustellen.
Das Haus in Sagaponac ist sein mittlerweile viertes Möbel-Haus, wie Ban selbst es bezeichnet. Die ersten drei sind in China und Japan zu bewundern und man kann nur hoffen, dass es bald viel mehr davon geben wird. Der kalifornische Wohnschrank wäre noch zu haben. Wir müssen betonen: noch! Preis auf Anfrage.
Text Tina Preschitz Fotos Jack Coble